16. / 17.10.2011 – Komfortabel Reisen

Da sich mindestens einer von Euch gefragt hat, ob wir denn nun die richtigen Zugtickets gekauft hatten und wie geplant in Sewastopol angekommen sind: ich kann Euch beruhigen – es hat alles geklappt und ich bin noch nie vorher so luxuriös gereist!
In ukrainischen Nachtzügen gibt es drei Klassen. In der dritten Klasse gibt es keine Abteile, sondern einen ganzen Wagon voller Doppelstockbetten. Wir möchten zwar Land und Leute kennenlernen, aber nicht unbedingt 17 Stunden am Stück. In der zweiten Klasse gibt es 4-Bett-Abteile und in der ersten Klasse nur zwei Betten pro Abteil. Wir hatten uns gegenseitig überredet, die 70€ pro Person zu investieren, da die Fahrt schließlich knapp 17 Stunden dauert und wir ja auch kein Zimmer für diese Nacht bezahlen müssen.
Unsere Erwartungen waren jedenfalls hoch, als wir überpünktlich am beeindruckend großen Bahnhof von Kiew ankamen.
Zuerst wollten wir was essen und landeten in einem ukrainischen Fastfood-Restaurant. Die Mitarbeiterin dort hatte sich große Mühe gegeben uns zu verstehen, so dass wir tatsächlich das bekommen haben, was wir bestellt hatten. Danach brauchten wir noch Proviant für die Fahrt und indem wir die ukrainische oder russische Sprache weiter malträtiert hatten, waren wir bestens mit Getränken und Snacks versorgt.
Der richtige Bahnsteig war schnell gefunden, der richtige Wagon auch und unsere Tickets wurden auch für gut befunden. Bloß in welchem der 9 Abteile wir die Nacht verbringen würden war mir nicht so klar. Auf den Tickets standen ziemlich viele Zahlen, die wir einfach nicht zuordnen konnten. Da die Zugbegleiterin (es gibt eine für jeden Wagen) noch draußen stand, fragte ich also eine Mitreisende. Dem Gesichtsausdruck der jungen Dame nach zu urteilen, war die Frage wohl ziemlich blöd, aber mit ihrer Hilfe haben wir unsere Luxussuite dann doch noch gefunden.
Ich hatte ja auf eine Steckdose gehofft, aber es gab dort auch einen Fernseher!! Und zwei recht große Kopfkissen pro Person. Alles relativ neu und sehr sauber mit ausreichend Platz für zwei Leute und Gepäck.

Nachdem wir das alles für gut befunden hatten, musste ich erstmal zur Toilette. Dummerweise wird die verschlossen, wenn der Zug in einen Bahnhof einfährt und erst ca. 10 Minuten nach Weiterfahrt wieder geöffnet. Solange konnte ich dann aber doch noch warten.
Der Chef fragte die „Wagonvorsteherin“ dann, ob man irgendwo rauchen könne. Kann man nicht. Seitdem sah die Dame immer so aus, als wollte sie von uns bloß nicht angesprochen werden, weil die Verständigung mit uns so kompliziert ist. Geraucht haben wir dann bei längeren Stops auf den jeweiligen Bahnsteigen. Dort liefen (mitten in der Nacht) alte und nicht so alte Frauen auf und ab und haben von Bier über Wodka und Sekt bis zu Äpfeln und Wareniki alles mögliche verkauft. Zum Beispiel auch getrocknete Fische. Nun war unser Appetit auf getrockneten Fisch um 07:30 Uhr morgens nicht so groß, so dass wir das Treiben nur beobachtet aber uns nicht daran beteiligt haben.

Gegen 13 Uhr kamen wir dann mit nur ganz wenig Verspätung wohlbehalten in Sewastopol an. Hier empfing uns kein Regenbogen, sondern einfach nur Regen.

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