23.10.2011 – Hach, Koktebel..

Laut Reiseführer war Koktebel früher der Lieblingsreiseort der russischen Intelligenzia und man wird dort nicht hungern müssen, weil es überall Stände gibt, an denen etwas zu essen verkauft wird.
Außerdem finden hier jährlich Jazz-Festivals statt.

Wir hatten ein Dorf am Meer erwartet, welches gerade dabei ist, die Spuren der sommerlichen Touristeninvasion zu beseitigen: ein bisschen romantisch, ein bisschen subversiv, ein bisschen rauher Charme.

Keine Ahnung ob wir momentan die einzigen Touristen hier sind, auf jeden Fall sind wir die einzigen die kein Russisch sprechen.
Überall sieht man Buden und Bars und Restaurants, die um diese Jahreszeit allerdings verriegelt und verrammelt sind. Wir haben alle drei noch geöffneten Restaurants des Ortes besucht: im ersten haben sie die Speisekarte auch auf Englisch (hilfreich), aber an Bier gibt es nur noch überteuertes (und schales) Bitburger und Warsteiner.
Im zweiten war der Kaffee ganz ok, aber wir haben auf der (russischen) Karte nichts gefunden, was wir zuordnen konnten und außerdem war das Ambiente irgendwie deprimierend (es würde manchmal schon helfen, wenn wenigstens einer der vielen  Angestellten freundlich gucken würde).
Im dritten wurde freundlich geguckt, obwohl wir ewig brauchten die Speisekarte zu übersetzen und das sorgt normalerweise eher für Stirnrunzeln.

Die einzige Sehenswürdigkeit Koktebels ist übrigens ausgeschildert! Wir haben sie jedoch ausgelassen. Wir wollten ja rauhen Charme und Romantik. Wir dachten zum Beispiel an einen Strandspaziergang.

Ukrainer scheinen Strandspaziergänge nicht so zu schätzen: alle paar Meter standen wir vor Mauern, Toren oder Zäunen.

Koktebel liegt in einer Bucht, die von Bergen und Hügeln und längst erloschenen Vulkanen umgeben ist – das zweitromantischste nach einem Strandspaziergang wäre doch, einen dieser Hügel zu erklimmen und von oben aufs Meer und auf Koktebel zu schauen, dachten wir.

Ukrainer scheinen auch nicht so gern auf Hügel zu klettern, denn die Berge und Hügel waren eingezäunt und nirgens war ein Weg zu entdecken. Es kann natürlich sein, dass es hier Wanderwege gibt, die einfach nur nicht ausgeschildert sind. Davon wäre ich jedoch überrascht.

Dafür haben wir jetzt eine ziemlich genaue Vorstellung davon, was die Bewohner Koktebels sonntags so machen: die Männer angeln und die Frauen verkaufen alle möglichen Sachen (die wir gerade nicht brauchen). Beides wirkte auf den ersten Blick nicht sonderlich erfolgreich: viele Fische wurden nicht gefangen und es gab viel mehr Verkäuferinnen als potentielle Kunden…

Wir sind jetzt gut erholt und sehr belesen und haben uns entschieden unseren Aufenthalt hier nicht zu verlängern, sondern morgen zurück nach Simferopol zu fahren um uns von dort langsam in Richtung Odessa zu bewegen.