26.10.2011 – Zurück im Land der großen Geländewagen

Kurz vor dem Frühstück schrieb ich per Mail eine Anfrage an eine der Agenturen, die in Odessa Apartments vermietet. Schließlich hatten wir noch keine Unterkunft für die nächste Nacht.
Wem dass jetzt kurzfristig vorkommt, dem sei versichert, dass hier absolute Nachsaison ist und dass in jedem Ort, den wir bisher besucht hatten am (Bus-) Bahnhof Frauen standen, die Zimmer und Wohnungen angeboten haben. (Außer in Koktebel, aber da gibt es auch keinen Busbahnhof. Dafür hing dort an jedem zweiten Haus ein Schild, auf dem Zimmer angeboten wurden. Bei den Häusern ohne solche Schilder handelte es sich meist um Hotels.)
Meine Russischkenntnisse reichen soweit, dass ich Fahrkarten und Wasser kaufen und im Restaurant etwas bestellen kann. Ob sie soweit reichen eine Wohnung zu mieten, wollte ich nicht unbedingt ausprobieren, denn schließlich bleiben wir vier Nächte in Odessa und es wäre schön, wenn unsere Unterkunft dort zentral gelegen und auch für Mitteleuropäer irgendwie ansprechend wäre.
Noch während des Frühstücks rief Jana von der Agentur an: die (günstige) Wohnung, die ich angefragt hatte sei nicht verfügbar, aber sie kann mir eine viel bessere (und eigentlich um einiges teurere) Wohnung für 40 $ anbieten. Das hatte ich doch schon mal irgendwo gehört… Die Fotos auf der Internetseite sahen super aus, in unser Budget von 30 € pro Nacht passt die Wohnung und sie ist wirklich extrem zentral gelegen – kurzum: wir hatten jetzt eine Unterkunft und mussten jetzt nur noch den Busbahnhof von Mykolayiv finden.
Vorher haben wir noch kurz einen Blick aus unserem Hotelfenster geworfen – schließlich hatte das einen Ausblick auf einen Fluss und den konnten wir gestern gar nicht bewundern, da war es nämlich schon dunkel, als wir im Hotel ankamen.
Man, die haben hier echt breite Flüsse!

Mit dem Minibus ging es zum Busbahnhof, dort haben wir wie die Profis Fahrkarten gekauft und nach einer kleinen Irritation haben wir auch die richtige Bushaltestelle gefunden.
Wir mussten zu Haltestelle Nummer 6 – verwirrend war nur, dass es zwei Haltestellen mit dieser Nummer gibt.
Nach gut zwei Stunden waren wir dann in Odessa (obwohl die Fahrt laut Ticket 2 Stunden und 45 Minuten dauern sollte).

Wie üblich suchten wir einen Minibus. (Das Einsteigen und bezahlen funktioniert mittlerweile prima, nur am Aussteigen müssen wir noch arbeiten – man muss nämlich ansagen wo man aussteigen will, bloß woher sollen wir das denn so genau wissen? Schließlich gibt es weder Haltestellen noch einen genauen Linienplan.)
Der erste Schock: keine Minibusse (zumindest am Busbahnhof), sondern Straßenbahnen. Und die haben sowohl Haltestellen, als auch einen Linienplan. Mal abgesehen davon, kostet die Fahrt auch nur die Hälfte (ungefähr 10 Cent).

Nach dem Aussteigen der nächste Schock: es gibt Schilder, auf denen der Name der Straße, auf der man sich gerade befindet, steht. Und zwar genau dort, wo man die vermuten würde (an jeder Kreuzung). Ein bisschen seltsam ist nur, dass auf diesen Schildern die ukrainischen Straßennamen stehen, während die meisten Geschäfte ihre Adresse auf russisch angeben. Oft ist der Unterschied nicht so groß, wenn man aber die englische Transkription (aus dem Reiseführer) des russischen Straßennamens mit der Beschilderung auf ukrainisch abgleichen muss, dann dauert es auch mal einen Moment länger, bis man sich sicher ist, dass man in die richtige Richtung läuft.

Wir haben das Apartment trotzdem gefunden und es hat unsere Erwartungen übertroffen. Tolles Bad (Badewanne, separate Dusche, Fußbodenheizung), Schlafzimmer und Wohnküche. Und das ganze mitten im Zentrum.
Außerdem schien die Sonne.

Also haben wir einen ersten Spaziergang durch die Stadt gemacht, waren was essen und ein Bier trinken, freuten uns, dass die Kellner Englisch mit uns sprachen, wenn unser Russisch nicht ausreichte und freuten uns auf die nächsten Tage.

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  1. Sofaman