07. September 2012: „Malaysia, truly Asia“

Die Welt gehört dem, der sie genießt.
Giacomo Leopardi

Singapur haben wir hinter uns gelassen und seit gestern sind wir an der Westküste Malaysias in Melaka.

Nachdem sich Singapur weitestgehend wie Europa in schwül und heiß anfühlte, wirkt Melaka viel asiatischer. Schwül und heiß ist es immer noch, aber es gibt Mopeds, keine Ampeln und insgesamt mehr Durcheinander. Immerhin lautet der Werbespruch des malayischen Tourismusverbandes „Malaysia, truly Asia“.

So sind wir gestern nach einer recht ereignislosen aber sehr bequemen Busfahrt am Busbahnhof in Melaka angekommen. Der liegt ein bisschen außerhalb des Zentrums, wo wir uns ein Hostel suchen wollten. Beide Reiseführer, die wir dabei haben, nannten den Bus Nr. 17 als einfachste Möglichkeit in die Stadt zu kommen. Die richtige Haltestelle hatten wir (nicht ohne Hilfe eines freundlichen Malayen) gefunden, den richtigen Bus auch. Schwieriger war es dem Busfahrer zu erklären, wo wir aussteigen wollten. Das wussten wir schließlich selbst nicht so richtig. Mit Hilfe eines Stadtplans und des nächsten freundlichen Malayen wurden wir uns einig und haben auch ein nettes, preiswertes und sehr sauberes Hostel gefunden.

Das Zimmer erinnert ein wenig an eine Zelle, aber immerhin hat es ein Fenster (den Aufpreis dafür haben wir gern bezahlt). Das Fenster ist allerdings aus Holz und nicht aus Glas und außerdem vergittert. Das klingt jetzt schlimmer als es ist. Außerdem gibt es eine Klimaanlage (wichtig!!!).

Abends sind wir noch ein bisschen durch die Stadt geschlendert, haben etwas gegessen und ein Bier getrunken . Satt wird man hier für umgerechnet 1 bis 2 Euro, ein kleines thailändisches Tiger-Bier kostet etwas mehr als 2 € – Malaysia ist halt ein islamisches Land und Alkohol sehr hoch besteuert.

Mit dem Essen hat sich der Chef einen Kindheitstraum erfüllt: einen ganzen Topf Erdnusssoße für uns allein! Und zwar gab es in dem Restaurant runde Tische mit einem Loch in der Mitte. In dieses Loch kommt der Topf mit der Erdnusssoße, der von unten beheizt wird. Man geht dann zu einem riesigen Kühlschrank und sucht sich aus den unzähligen vorbereiteten Spießen welche aus. Es gab Spieße mit Gemüse, Tofu, Shrimps, Fisch, Huhn, Wurst, Hühnerleber und noch viele mehr, die ich nicht zuordnen konnte. Die Spieße gart man dann in der Soße. Sozusagen ein Erdnusssoßenfondue. Sehr lecker. Am Ende werden dann die leeren Spieße gezählt und abgerechnet.

Heute haben wir lange geschlafen und sind vor der Hitze in ein (klimatisiertes) Einkaufszentrum geflüchtet. Danach mussten wir nochmal zum Busbahnhof um uns Bustickets für morgen zu kaufen. Bus Nummer 17 kannten wir schon, so dass wir quasi eine Stadtrundfahrt im (klimatisierten) Linienbus gemacht haben. Zu dieser Zeit war hier sowieso das Freitagsgebet und ein großer Teil der Geschäfte und Museen hatte zu.

Nachdem wir die Fahrkarten und die Muslime gebetet hatten, haben wir eine Bootsfahrt auf dem Melaka-River gemacht. Das war ganz nett und man musste sich nicht selbst bewegen (es ist heiß hier!). Außerdem war das Boot mehr oder weniger überdacht: ich war den halben Tag damit beschäftigt Schatten zu suchen um nicht wie eine leuchtend rosa Engländerin auszusehen. Dafür sehe ich nach wie vor aus wie eine sehr weiße Deutsche…
Jedenfalls sind wir nach der Bootstour die Strecke noch mal zu Fuß abgelaufen, die war nämlich ganz schön.

Seit 2008 gehört die historische Innenstadt von Melaka zum UNESCO Weltkulturerbe und es wurde offenbar einiger Aufwand betrieben, bestimmte Häuser zu renovieren und einige Ecken aufzuhübschen.
Wer mehr wissen will, kann sich das Video anschauen:

Alle paar Meter haben wir uns auf einer schattigen Parkbank von dem schweißtreibenden Spaziergang ausgeruht.

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Mittlerweile war es 18 Uhr und wir hatten Hunger. Freitags und Samstags gibt es im chinesischen Viertel von Melaka einen Nachtmarkt (der praktischerweise um 18 Uhr beginnt). Dort findet man Stände mit Klimbim und Essen und eine große Bühne mit Stühlen davor. Schon gestern hatten wir uns gefragt, was auf dieser Bühne wohl passiert. Jetzt wissen wir es: Karaoke. Die Menschen ziehen sich hübsch an und singen dann voller Inbrunst ein Lied. Sehr lustig. Die Sänger waren alle so zwischen 40 und 60 Jahre alt und haben das sehr ernst genommen. Wenn ich mir vorstelle, wie mein Vater freitags abends auf eine große Bühne steigt und der Nachbarschaft ein Liedchen trällert, muss ich ein bisschen kichern. Das musste ich auch, als das Essen, was sich der Chef an einem der Stände bestellt hatte, serviert wurde. Er hatte nur was von „chicken“ gelesen und den Teil mit „feet“ ignoriert und starrte dann recht entsetzt die frittierten Hühnerfüße die vor ihm standen an. Er wollte sie partout nicht probieren. Ich war ganz mutig und hatte zum Beispiel Frühlingsrollen mit Durian (dieser berühmten „Stink- bzw. Kotzfrucht“). Das schmeckte zwar seltsam aber nicht sonderlich eklig – dadurch, dass das Ganze frittiert war roch es auch ganz normal.

Jetzt sitzen wir im Hostel und werden gleich noch unsere Sachen packen und zeitig ins Bett gehen, denn morgen früh um acht fährt unser Bus Richtung Dschungel.

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  1. Mum