Der Gipfel der Dekadenz

wpid-storageextSdCardDCIMCameraBerlin2014-01-01-09.41.09-1.jpg.jpg Das Wetter ist grau, die Aussichten trüb und der Alltag bietet kaum Überraschungen, erst recht keine schönen. Da kam die Aktion „Erlebe Deine Stadt“ von visitBerlin gerade recht. In 78 berliner Hotels wurden für den 04.01.2014 Doppelzimmer mit Abendessen und Frühstück zum Festpreis angeboten, buchbar nur für Gäste mit Wohnsitz in Berlin oder Brandenburg. Die Hotels bekommen auf die Art und Weise am schwächsten Wochenende im ganzen Jahr die Häuser voll und der geneigte Berliner oder Brandenburger gönnt sich einen kurzen Urlaub vom Alltag. Und das Ganze ohne großartig Zeit, Energie und Geld auf die Anreise zu verschwenden.

Besonders wenig Energie auf die Anreise haben der Chef und ich verschwendet! Das Hotel, in dem wir die Nacht verbracht haben, kann man nämlich von meiner Wohnung aus sehen und innerhalb von ca. 2 Minuten zu Fuß erreichen. Umgekehrt konnte man dann auch vom Balkon des Hotelzimmers aus meine Wohnung sehen – es schadet ja nicht ab und zu mal die Perspektive zu wechseln.

Das Hotel kann man durchaus empfehlen. Es heisst Almodóvar Hotel, befindet sich in der Boxhagener Strasse in Berlin Friedrichshain und es gibt dort sehr schöne, stilvoll eingerichtete Zimmer. Also es gibt mindestens ein sehr schönes, stilvoll eingerichtetes Zimmer (507), aber ich habe allen Grund anzunehmen, dass die anderen Zimmer nicht weniger schön sind. Seltsamerweise riecht es in dem ganzen Hotel irgendwie nach Sauna, was vermutlich mehr mit dem überall verbauten Holz als mit dem Wellnessbereich zu tun hat. Dafür gibt es in jedem Zimmer eine Yoga-Matte. Die haben der Chef und ich aber nicht benutzt, denn schließlich waren wir nur eine Nacht da und zwischen Abendessen, Weinprobe, Schlafen und Frühstück blieb da nicht viel Zeit für Yoga.

Das angesprochene Abendessen war auch das einzig enttäuschende an der ganzen Geschichte. Zum Hotel gehört ein vegetarisches Biorestaurant, das Bistro Bardot. Die Betreiber hatten sich für ein Abendessen in Buffetform entschieden, was vermutlich auch keine schlechte Idee war. Normalerweise wird wohl ein großer Teil der Hotelgäste eher auswärts essen, so dass der plötzliche Ansturm die Küche sicherlich herausgefordert hat. Viel Erfahrung mit abendlichen Buffets scheint es dort nicht zu geben – jedenfalls war das nicht so richtig clever aufgebaut und führte zu umfangreicher Staubildung. Man musste sich also zum Essen erstmal vorkämpfen und leider wartete dann die nächste Enttäuschung: es gab vegetarische Paella, die hier einfach nur Reis mit Gemüse war. Sättigend, tut keinem weh, hinterlässt aber auch keinen positiven Eindruck. Zumindest hat sie aber eine gute Grundlage für den nächsten Programmpunkt gebildet: die Weinprobe.

Schonmal vorweg: es wurden insgesamt 8 Weine und Sekte angekündigt, so dass wir von Anfang an mit einer gewissen Betrunkenheit am Ende des Abends rechnen mussten. Das war ja durchaus erwünscht und wir hatten auch keine weiteren Pläne, so dass wir aus vollem Herzen probiert haben. 1 Prosecco, 1 Sekt, 2 x Weisswein, 2 x Rosé und 2 Rotweine. Wir haben aber nicht nur getrunken, sondern auch was gelernt. Z.B. dass es in Deutschland eine Schaumweinsteuer gibt, die beispielsweise auf Prosecco nicht angewandt wird und auch dass Weinwirtschaft kein trockener Studiengang ist. Wir sind dann relativ beschwingt in unser Zimmer gegangen und ich habe ziemlich gut geschlafen. Ob das nun am Wein oder am Bett lag, kann ich nicht so genau sagen.

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Am nächsten Morgen konnten wir uns dann noch davon überzeugen, dass das Restaurant doch Buffetkompetenzen hat, denn das Frühstück war wirklich sehr lecker, abwechslungsreich und Stau gab es auch keinen.

Ich gebe zu, dass ich kurz nach der Buchung des Zimmers daran gezweifelt hatte ob es tatsächlich eine sinnvolle Idee ist in einem Hotelzimmer gegenüber des eigenen Schlafzimmers zu übernachten (und dafür zu bezahlen). Und ziemlich dekadent finde ich es immer noch, aber Spaß gemacht hat es auf jeden Fall!