Angkor: der zweite Tag (unter erschwerten Bedingungen)

Meiner Meinung nach trifft auf Tempel und Kirchen und Moscheen in vielen Fällen der Spruch „kennste einen, kennste alle“ zu und ich versuche die Zahl der besuchten Gotteshäuser pro Urlaub im niedrigen einstelligen Bereich zu halten.
Nun hatten wir ja einen 3-Tages-Pass für Angkor erworben und so wurden es dann mehr Tempel als für mich üblich. Kostet immerhin 40 $, der Pass, das muss sich ja irgendwie rentieren… (Einheimische müssen in Angkor keinen Eintritt zahlen und die 40 $ waren gut investiert.)

Die einzelnen Anlagen liegen oft mehrere Kilometer auseinander, so dass sich ein Fortbewegungsmittel mit Rädern anbietet um diese Distanzen zu überbrücken.

Zur Auswahl stehen: Busse (klimatisiert, kommen aber nicht überall hin), Autos (auch klimatisiert, im Verhältnis recht teuer), Tuktuks (Fahrtwind ersetzt die Klimaanlage), Mopeds mit Fahrer und für die ganz Irren Fahrräder.
Wir mieteten also jeder ein Rad.

Meins war nicht so ganz taufrisch, aber ich wollte ja unbedingt einen Korb dran haben.
Ich fahre in Berlin fast nie Fahrrad, weil ich Angst vor Autos habe (wenn ich mit dem Fahrrad unterwegs bin). Hier gibt es auch Autos und der Verkehr ist viel chaotischer. Im Übrigen ist es fürchterlich heiß und meine Reisebegleitung läuft Marathon und geht seit neuestem mehrmals pro Woche zum Spinning. Keine Ahnung warum ausgerechnet ich in Kambodscha Rad fahren wollte.

Nun gut, in Angkor selbst ist der Verkehr einigermaßen überschaubar (es gibt nicht so viele Kreuzungen und an vielen Stellen nicht so viel Verkehr), aber da mussten wir ja erstmal hinkommen.
Das ging besser als ich dachte! Vielleicht lag das daran, dass viele andere Besucher schon früher aufgestanden sind und nicht direkt in der Mittagshitze erst losfahren.

Wir haben ein paar der Tempel vom ersten Tag nochmal besichtigt und komischerweise war das immer noch spannend und beeindruckend. Einfach durch einen anderen Eingang zu einer anderen Tageszeit gehen und es ergibt einen ganz anderen Eindruck.
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Wir waren übrigens nicht die einzigen Fahrradfahrer vor Ort, aber alle Fahrradfahrer die uns begegneten waren entweder Kinder oder „Westeners“ (also Weiße). Sowohl von Kambodschanern als auch von asiatischen Touristen wird man seeeehr seltsam angeschaut, wenn man da auf einem klapprigen Drahtesel bei 34º im Schatten fröhlich von Tempel zu Tempel radelt, obwohl man sich auch ein motorisiertes Fortbewegungsmittel leisten könnte. Zum Beispiel das Batmobil:
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es hat tatsächlich Spaß gemacht, auch wenn Marcus zwischendurch immer mal wieder meine Kette neu auflegen musste. Ich hatte schon fast in Erwägung gezogen am nächsten Tag wieder Rad zu fahren. Dann kam der Heimweg. 4 km südostasiatische Rush hour. Mit Bussen, Autos, Tuktuks, Mopeds, Radfahrern und Fußgängern aus allen Richtungen in alle Richtungen. Jedes Mal wenn ein Bus von hinten links in meinem Gesichtsfeld auftauchte, blieb mein Herz beinahe stehen. Der Schweiß, der mir den Rücken runter lief hatte kaum noch was mit den Temperaturen zu tun. Und dann noch diese Krücke von einem Fahrrad, das man nur ganz sanft anfassen durfte, damit die Kette nicht rausspringt. Zwischendurch dachte ich dann immer wieder mal „Wow, Du bist Teil dieses Verkehrs. Geil!“.
Aber selbst wenn man langsam und mit schlotternen Knien fährt, irgendwann hat man 4 km dann hinter sich gebracht und ich war sehr glücklich, als ich das Fahrrad wieder abgeben durfte. Am nächsten Tag wird wieder Tuktuk gefahren!

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  1. marcus
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