Vor der Nordseeküste: Borkum

Hätte der Chef dort nicht an seiner Gesundheit gearbeitet, wäre ich wahrscheinlich nicht nach Borkum gefahren. Zum Beispiel weil die Anreise von Berlin aus relativ lange dauert (an der Ostsee ist man jedenfalls schneller) und recht teuer ist. Schon allein wegen der Fähre.

Aber für ein Wochenende am Meer bin ich immer zu haben, selbst wenn das Meer die Hälfte der Zeit nicht da ist, und ein Wiedersehen mit dem Lieblingsfreund nach knapp drei Wochen ist auf jeden Fall ein guter Grund an die Nordsee zu fahren.

So wurde ich nach einer zwar recht langen und teuren aber doch insgesamt unspektakulären Anreise am Hafen von Borkum mit einem „endlich!!“ in Empfang genommen und in mein Hotel gebracht.

Die nächsten zweieinhalb Tage habe ich mit dem Freund die Insel erkundet. Da Borkum nicht so groß ist, reicht diese Zeit aus um tatsächlich die ganze Insel zu sehen, zumindest, wenn man mit dem Fahrrad unterwegs ist. Fahrräder kann man wirklich an jeder Ecke mieten und Radwege gibt es fast überall.

Wovon es ebenfalls viel gibt ist Wind, gern auch mal starken und von vorn. Und dann kommen zwei Rentner auf Elektrofahrrädern, überholen einen locker flockig und lächeln dabei. Die Verwünschungen, die man dabei vor sich hinbrummelt, können sie aber wegen des Gegenwinds nicht hören.

Reichlich vorhanden ist auch Strand, das ist im April aber nicht ganz so interessant wie im Sommer. Da ist jede Menge Platz am Strand. Auch bei Flut. Allerdings kommen da wohl auch jede Menge Gäste. Vorzugsweise aus dem Rheinland, was man zum Beispiel anhand der in den Restaurants ausgeschenkten Biersorten erkennen kann. Nichts mit „friesisch herb“, sondern Warsteiner, Bitburger & Krombacher. Ansonsten gibt es ein sehenswertes Heimatmuseum, ein ebenfalls interessantes ehemaliges Feuerschiff im Hafen und ein paar Kühe.

Und natürlich haben wir auch eine Wattwanderung gemacht. Ich wusste gar nicht, dass sich manche Muscheln aktiv in den Boden eingraben und dass viele Muscheln „Schnorchel“ haben, die sie ausfahren können.

Mein Fazit: wenn man zur Kur nach Borkum geschickt wird, dann muss man nicht traurig sein. Auch ein Familienurlaub mit kleinen Kindern auf der Insel hat sicherlich seinen Charme, wenn man sich das leisten kann. Ich selbst muss da jetzt nicht so schnell wieder hin, aber wahrscheinlich bin ich auch einfach ein Ostseekind und für den Charme der Nordsee nicht empfänglich.