Eine Zugfahrt, die ist lustig…

… und eine Busfahrt erst…. Aber von vorn:
Wir wollten das laute und volle Jakarta nun verlassen, und zwar Richtung Pangandaran. Das liegt am Meer und ist ca. 350 km von Jakarta entfernt.
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Wir hatten Zugfahrkarten nach Banjar – 60 km von Pangandaran entfernt – gekauft. Es gibt hier drei Arten von Zügen und der, der nach Banjar fährt, ist ein Zug der Art „Ekonomi“. Ökonomisch ist dabei vor allem die Verteilung bzw. Anordnung der Sitzplätze.

Mit dem Taxi fuhren wir zum Bahnhof Jakarta Kota. Wir sollten eine Stunde vor Abfahrt des Zuges dort sein, weil wir unseren Buchungsbeleg noch in ein Ticket umwandeln mussten. Das dauerte dann aber nicht mal 5 Minuten, so dass wir einer Weile rumsaßen und auf Züge starrten.

jakarta kota bahnhof

Dann fuhr unser Zug ein und die Reise konnte losgehen. Entgegen der Angaben im Lonely Planet gibt es in Ekonomi-Zügen sowohl eine Klimaanlage, als auch Sitzplatz Reservierungen. Wir hatten 2 Plätze auf einer 3er Bank erwischt, die mit der gegenüberliegenden Sitzbank dann so eine Art 6er Abteil bildete. 3 Menschen saßen dort schon, wir setzten uns dazu und fragten uns sofort, wie wir das 8 Stunden aushalten sollen.

Mussten wir gar nicht, denn die anderen 3 setzten sich um, sobald der Zug losfuhr. Dann kam jemand mir einem Wischmop durch den Zug und machte erstmal sauber. Als nächstes kam ein junger Mann im bunten Hemd und verkaufte was zu essen.

Wir fuhren durch Jakarta und mir schnürte es die Kehle zu, als ich die Hütten aus Pappe und Blech direkt an den Bahnschienen sah. Dort leben Menschen. Auf engstem Raum, ohne Zugang zu sauberem Wasser und größtenteils ohne Strom. Und ich finde den Zug nicht so bequem…

Nachdem wir Jakarta hinter uns gelassen haben, ändert sich der Ausblick. Reisfelder, Bananenbäume, Dörfer mit Volleyballfeld und Fußballplatz. Die Bauern sind auf ihren Feldern und die Kinder spielen draußen (es ist Sonntag und somit schulfrei). Ab und zu ein größerer Ort.

Die Sitzbänke sind nicht besonders bequem, so dass ich bald nicht mehr weiß, wie ich sitzen soll. Die Frage stellte sich kurz danach nicht mehr, denn am nächsten Bahnhof stiegen viele Leute ein und so saßen wir dann tatsächlich zu sechst in unserem 6er Abteil. Das ist für 6 Asiaten schon eng und ich habe zwar versucht meine Gliedmaßen auf indonesische Dimensionen zusammenzufalten, das ist mir aber nicht gelungen. So verbrachten wir die nächsten 5 Stunden eingzwängt in einem ratternden und schuckelnden Zug, der durch eine traumhaft schöne Landschaft fuhr. Über Flüsse und Schluchten auf Brücken, die vermutlich damals die Holländer gebaut haben… Ein Kind im Abteil quengelt und schreit, das nächste buchstabiert in einer Tour Ortsnamen und ich kann stundenlang weder meinen Hintern noch meine Füße spüren.

Dann sind wir in Banjar angekommen. Endlich wieder bewegen. Die Beine ausstrecken. Auf Toilette gehen. Im Zug war noch ein Mädel aus Deutschland, die auch nach Pangandaran wollte, so dass wir dann zu dritt vor dem Bahnhof standen. Wir mussten irgendwie zum 3 Kilometer entfernten Busbahnhof kommen.
Es gab drei Möglichkeiten, wovon eine (laufen) wegen Hitze und Gepäck nicht zur Debatte stand. Variante 2 (auf dem Rücksitz eines Mofas) ließ sich mit großem Rucksack plus kleinem Rucksack auch nicht so gut bewerkstelligen.
Blieb Möglichkeit Nummer drei – eine Fahrt mit einem Becak. Ein Becak ist immer alt und klapprig, genau wie sein Fahrer und sieht so aus:
indonesien java becak rikscha

Da sitzt man dann vorn mit seinem Gepäck und hinter einem schnauft ein alter Mann ohne Zähne und es geht bergan. Man weiß gar nicht ob man sich weiter darüber ärgern soll, dass der alte Mann ohne Zähne einen beim Fahrpreis mächtig abgezockt hat, oder ob man aussteigen und schieben soll. Wenigsten fühlten sich die anderen beiden genauso blöd dabei.

Unterwegs wollten uns die Fahrer dann noch eine Fahrt mit nem privaten Wagen statt mit dem öffentlichen Bus andrehen. Haben wir abgelehnt. Und uns später noch gefragt, ob das so eine kluge Entscheidung war. Noch dachten wir ja, dass es nach der Zugfahrt nur besser werden konnte.

Konnte es nicht. Die nächsten zwei Stunden habe ich sozusagen auf einer Arschbacke abgesessen, denn der Platz zwischen den Sitzreihen war so eng, dass ich einfach nicht gerade dort sitzen konnte. Mein Oberschenkelknochen war länger als der Reihenabstand. Zwei Stunden in dieser Position bei tropischer Hitze und hinter einem raucht jemand in einer Tour Nelkenzigaretten.

Irgendwann waren auch die zwei Stunden rum und wir waren am Ziel. Am Meer. In der Zwischenzeit war es dunkel geworden, so dass wir gar nicht sehen konnten, ob sich die Fahrt gelohnt hat. Wir liefen zu unserem Guesthouse, welches erstmal nicht so richtig für die Strapazen entschädigt hat.

Wir haben dann gleich um die Ecke etwas gegessen und die Anstrengungen mit dem einen oder anderen Bintang weggespült. Am nächsten Morgen würden wir uns ein anderes Zimmer suchen und den Strandurlaub beginnen!

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