Kultur und Kaufrausch in Yogyakarta (Teil 2)

Um 5 Uhr morgens waren wir abmarschbereit, das bedeutet, dass wir um 4:30 Uhr aufgestanden sind. Im Urlaub!

Wer nochmal lesen will was wir am Vortag in Yogyakarta gemacht haben, findet hier Teil 1.

Wir sind so früh aufgestanden, weil wir viel vorhatten: 2 Tempel und einen Vulkan wollten wir besichtigen. Kurz hatte ich mit der Idee geliebäugelt den ersten Tempel bereits zum Sonnenaufgang zu besuchen (ich hatte davon tolle Fotos gesehen), aber um 3 Uhr morgens aufstehen wollte ich dann doch nicht (ungefähr den gleichen Gedankengang mit dem gleichen Ergebnis hatte ich letztes Jahr schon in Angkor Wat).

Unser Fahrer stand ziemlich pünktlich vor unserem Hotel und los ging es zum Borobudur-Tempel – einer der größten buddhistischen Tempelanlagen Südostasiens.
Gleich morgens dort zu sein hat den Vorteil, dass es noch nicht so heiß und nicht so voll ist.

Borobudur Tempel Java Indonesien

Wir wollten es mit der Dekadenz nicht über treiben und haben uns einen persönlichen Führer gespart. Am Fuß der Tempelpyramide wurden wir von einer sehr kleinen, sehr schüchternen jungen Frau angesprochen: sie studiert Englisch und macht gerade ein Praktikum und würde uns gern den Tempel zeigen und sich mit uns unterhalten. Ich habe erst nicht so richtig verstanden was das soll, zumal es dort ja auch offizielle Guides gibt (die man dann im Gegensatz zu unserer Begleiterin bezahlen muss), aber wir konnten ihr den Wunsch nicht abschlagen und hatten so eine nette Begleitung, die uns eine ganze Menge erklären konnte.

Borobudur Tempel Indonesien Java

Nicht nur der Tempel selbst, sondern auch die Umgebung ist sehens- und fotografierenswert, zum Beispiel der Merapi (der aktivste der vielen aktiven Vulkane Indonesiens).

Merapi Vulkan

Allerdings sind dort aus Sicht der Indonesier auch Europäer (bzw. Menschen mit weißer Hautfarbe) fotografierenswert, vor allem, wenn sie selbst auch auf dem Foto sind. Besonders skurril wird es, wenn 4 bis 8 sehr aufgeregte Teenager vor einem stehen und mit zitternder Stimme fragen, ob man sich mit ihnen unterhalten würde, sie möchten ihr Englisch verbessern.

Hm, eigentlich wollten wir in Ruhe den Tempel besichtigen und nicht immer die gleichen, schüchtern von Zetteln abgelesenen, Fragen beantworten (Wie heißt Du? Woher kommst Du? Wie lange bleibst Du in Indonesien? Gefällt es Dir? Hast Du indonesisches Essen probiert?) Andererseits hatten wir uns ja manchmal bessere Englischkenntnisse unserer Gegenüber gewünscht… So haben wir uns „unterhalten“ und sind jetzt auf vielen Fotos zu sehen…

Weiter ging es zu einem Dorf am Fuße des Merapi, wo wir dann in dieses Gefährt umstiegen:

Jeep Merapi

Das war nicht ganz so bequem, zumal die Straße bei dem letzten Ausbruch des Merapi im Jahr 2010 größtenteils zerstört wurde. Leider fing es genau dann an in Strömen zu regnen, als wir vor einem beeindruckenden Canyon standen, der durch Lava, Asche und Wasser geformt wurde. Ich wollte nicht ausprobieren, was Canon mit „spritzwassergeschützt“ ganz genau meint und habe die Kamera im Rucksack gelassen. Ihr müsst mir einfach glauben, dass das schön und beeindruckend war.

Auf zum nächsten Tempel, dem hinduistischen Prambanan! Wir hatten die Befürchtung, dass wir nun wieder von schüchternen Teenagern umringt würden, die hatten aber am Freitag Nachmittag offenbar Besseres zu tun.

Prambanan Java Indonesien

Der Tempel war auch ganz schön und interessant, aber im Vergleich zu Borobudur und erst recht zu Angkor Wat löste er bei uns keine Begreisterungsstürme aus.

Ganz im Gegensatz zu unserem letzten Stop bei einer Kaffeerösterei: dort habe ich den besten Kaffee meines Lebens getrunken und den teuersten Kaffee gekauft. Die Kaffeekirschen werden von einem Tier gefressen, die unverdauten Bohnen wieder ausgeschieden und weiter verarbeitet. Klingt komisch, schmeckt aber sehr gut.

Am nächsten Tag haben wir dann noch einen schweißtreibenden Spaziergang zum Kraton (dem Sultanspalast) unternommen und die Weiterreise organisiert. Den Abend und unseren Aufenthalt in Yogyakarta haben wir dann bei dem einen oder anderen Bier und indonesischer Rockmusik ausklingen lassen.

Den Rest der Zeit müssen wir nun noch Kunst, teuren Kaffee, ein überflüssiges Notizbuch und ein Geschenk für die Nichte mit uns rumtragen. Ich hätte ja gern auch noch eine neue lange Hose rumgetragen (bei meinem Sturz neulich ging eine kaputt), aber Hosenkaufen war mir dann doch zu frustrierend. Die Probleme fangen ja damit an, dass ich einen Kopf größer bin als die Indonesier und hören da noch lange nicht auf…

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    • huvulu