Afghanisch kochen

Normalerweise gibt es bei mir sonntags Sushi mit Tatort, aber hin und wieder gibt es durchaus einen Anlass auf dieses Ritual auch mal zu verzichten. Letzten Sonntag zum Beispiel war ich afghanisch kochen.

Nachdem wir in Kambodscha viel Spaß beim Kochkurs hatten, schenkte der Chef mir zum Geburtstag einen Afghanisch-Kochkurs mit Reza. Der Chef kam auch mit, so dass wir beide am Sonntag um 17 Uhr in Schöneberg im Kitchenhub auftauchten.

Dort war auch schon alles für 15 Köche vorbereitet:

Kochkurs

Ich hatte ja keine Vorstellung davon was man in Afghanistan so isst, aber das Gemüse auf dem Tisch sah erstmal recht vertraut aus.

Los ging es mit einer Vorstellungsrunde. Zum einen war da Reza, der afghanische Schuhmacher und Hobbykoch, der vor 2,5 Jahren als Flüchtling nach Berlin kam. Zum anderen 15 Menschen zwischen Anfang 20 und Anfang 70 (schätze ich), die nun gemeinsam kochen wollten.

Erste Erkenntnis: 100% der Teilnehmer dieses mittelteuren Kochkurses unternehmen gern Fernreisen. Und reden darüber. „In Lesotho hatte ich mal ein Antilopensteak vom Grill, das war wirklich Weltklasse.“ „Also ich habe in Brasilien mal einen selbstgefangenen Piranha gegrillt.“ Nachdem die erste Bullshitterei vorbei war, konnte man sich aber mit allen ganz normal und nett unterhalten. Außerdem waren wir ja zum kochen da und das bedeutete zuerst einmal: schnippeln.

Zum Beispiel raue Mengen Knoblauch.

Knoblauch

Und auch Fleisch

Kochkurs

Dann wurden mehr oder weniger gleichzeitig eine Suppe, 2 Hauptspeisen und das Dessert gekocht. Bei 15 Leuten und nur einem der das Rezept kennt, war dann nicht immer ganz klar, welche Zutat zu welcher Speise gehört und was nun zu tun ist – im Zweifel immer umrühren. Ich glaube, dass letztlich jede Zutat im richtigen Topf gelandet ist, aber ich könnte das nun nicht mehr reproduzieren. Wer also jetzt auf eine Einladung zum afghanischen Menü spekuliert, ich fürchte das wird nichts. Ich kenne ja nicht mal die Namen der Gerichte.

Gekocht haben wir eine Suppe mit Bulgur und Mohrrüben, Gemüse mit Knoblauch, Fleisch mit Kräutern und Knoblauch und Pudding mit Pistazien. Über die afghanische Küche habe ich dabei gelernt: so ein Essen verträgt mindestens doppelt so viel Knoblauch wie ich denke und man sollte vor dem Kochen schon mal was essen, denn das dauert…

Nachdem alle Zutaten geschnippelt und im richtigen Topf waren, hieß es umrühren und warten. Dabei wurde dann der Wein aufgemacht und es gab Gelegenheit sich zu unterhalten. Mit Reza darüber, wie und warum er nach Deutschland kam, mit den Mitköchen übers Kochen und mit den Veranstaltern über das Projekt Über den Tellerrand kochen.

Irgendwann war es dann aber soweit und die Suppe war fertig. Die war viel weniger flüssig als man sich das so vorstellt und geschmacklich nicht so wahnsinnig aufregend. Danach ging es auch gleich weiter mit den Hauptgerichten.

Afghanisches Essen

Das Grüne ist kein Kohl oder Spinat, sondern das sind viele verschiedene Kräuter mit Fleisch und Bohnen. Das Ganze roch irgendwie nach Heuboden, schmeckte aber ganz gut, genau wie das Gemüse.

Mittlerweile war ich ziemlich satt, aber es gab ja noch Pudding. Der war ok, aber ich hätte ihn vielleicht nicht aufessen sollen, denn am Ende war ich so vollgefressen, dass ich mich kaum noch bewegen konnte.

Insgesamt war es ein sehr netter Abend mit viel Essen und neuen Eindrücken. Ich war ein bisschen enttäuscht, das es die Rezepte nicht ausgedruckt zum mitnehmen gab, nicht mal einen Zettel mit den Namen der Gerichte. Wer wirklich kochen lernen möchte, für den ist der Kurs vermutlich nichts. Wer etwas über andere Kulturen und Küchen lernen will ist bei dem Projekt hingegen an der richtigen Stelle und kann neben afghanischen dort auch syrische und nigerianische Kochkurse besuchen.

 

Ergänzung vom 12. Mai 2016:

Das mit der Rezeptlosigkeit war offenbar gar nicht so gewollt und nun wurden die Rezepte der Gerichte nachträglich doch noch per E-Mail verschickt. Mit dem Nebeneffekt, dass ich das Essen nun auch benennen kann: die Suppe heißt „Bolgor“ (wobei „Bolgor“ wahrscheinlich einfach nur „Bulgur“ heißt), als Hauptspeise gab es „Ghormeh Sabzi“ (das ist das grüne) und „Gorme Bamia“ und zum Desser haben wir „Fereni“ gekocht.