Am Zug 

Nachdem wir ja im Vorfeld keine Platzkarten für unsere Zugfahrt nach Ella kaufen konnten, sind wir recht zeitig zum Bahnhof gefahren – vielleicht gab es ja kurzfristige Stornierungen? 

Gab es nicht. Wir hatten uns für den ersten Zug am Tag entschieden – dem Bummelzug – weil dieser nicht schon in Colombo startete und vielleicht nicht so voll sein würde. Am Bahnhof warteten allerdings schon mehrere Gruppen Franzosen ohne Gepäck, die an einem späteren Bahnhof dann von ihrem Bus wieder abgeholt werden und die Zugfahrt nur wegen der Aussicht machen. 

Am Bahnhof gab es zwar nur 2 Gleise, trotzdem war mir nicht so richtig klar von welchem unser Zug fahren würde und als dann ein Zug einfuhr, hatte der nur 3 Passagiewagons und außerdem war es viel zu früh. Vorsichtshalber habe ich trotzdem nachgefragt ob das der Zug Richtung Ella sei und siehe da, er war es. 

Wir stiegen also in den Wagon der 3. Klasse ein, wo sich neben ein paar vereinzelten Einheimischen zwei französische und eine chinesische Reisegruppe befanden. Sitzplätze hatten wir nicht, aber wir standen neben den offenen Türen, die die ganze Fahrt über offen bleiben und der beste Platz für Fotos aus dem fahrenden Zug sind. 

Die Aussicht ist wirklich atemberaubend und abwechslungsreich: vorbei an Teeplantagen, kleinen Dörfern und großen Wasserfällen kann man manchmal kilometerweit ins Tal blicken. Ich hatte in der Zwischenzeit einen Sitzplatz ergattert und habe mehr geguckt als fotografiert, aber der Chef war von den Türen des Zugs nicht wegzukriegen und hat seine neue Kamera einem Belastungstest unterzogen. 

Zwischenzeitlich mussten wir immer mal auf einen Gegenzug warten und viele Fahrgäste nutzten die Gelegenheit den Zug von außen oder sich außen vor dem Zug zu fotografieren. 

Die junge (vermutlich chinesische) Frau im Vordergrund hat sich übrigens die gesamte vierstündige Fahrt lang ununterbrochen  von ihrer Mutter fotografieren lassen und jeweils direkt im Anschluss Bildkritik geübt. 

Nach dem Stopp war dann erstmal mein Sitzplatz futsch, weil da nun zwei Chinesinnen saßen, so nahm ich wieder den Fotospot an der Tür ein, bis die erste Horde Franzosen und Französinnen ausstieg. Die Fahrt war also deutlich entspannter als ich befürchtet hatte und der Ausblick so sehenswert, wie wir gehofft hatten. Ganz unbegründet waren meine Bedenken hinsichtlich der 3. Klasse aber wohl nicht, denn im Zug hat ein anderer Tourist erzählt, dass er ein paar Tage vorher 7 Stunden lang auf einer Zugfahrt stehen musste, weil es so voll war. 

Gegen 13:30 Uhr waren wir dann im beschaulichen Dörfchen Ella, in dem es entlang der einzigen Straße eine Reihe von Cafés und Restaurants gibt, die eindeutig auf westliche Kundschaft ausgerichtet sind. Das ist zwar nicht besonders authentisch, aber zur Abwechslung ganz angenehm. Während europäische Touristen im Urlaub gern mal im Café sitzen, etwas trinken und das Treiben auf der Straße betrachten wollen, sind Cafés in Sri Lanka und anderen asiatischen Ländern eine deutlich pragmatischere Angelegenheit. Man geht rein (draußen ist es schließlich heiß und sonnig oder heiß und regnerisch), isst und geht dann wieder. Nicht ideal, wenn man einfach nur einen Nachmittag verbummeln möchte. 

In Cafés rumbummeln ging in Ella sehr gut und so haben wir genau das gemacht. Abends saßen wir dann auf dem kleinen Balkon neben unserem Zimmer und haben uns mit unseren Zimmernachbarinnen (aus Hannover) unterhalten. 

Am nächsten Morgen (also heute) gab es dann Frühstück mit Ausblick. 

Wir hatten kurz überlegt ob wir noch einen Tag in Ella bleiben wollen, aber wir hätten uns ein neues Zimmer suchen müssen (das alte war ziemlich schimmelig) und in den Bergen war es nachts ganz schön kühl. Also wollten wir in den Süden, fast bis ans Meer, nach Tissamaharama (kurz: Tissa) aufbrechen. Das ist ca. 2 bis 2,5 Stunden entfernt, allerdings gibt es von Ella keinen direkten Bus dorthin. Umsteigen klang irgendwie stressig und da wir gestern bei der Zugfahrt recht günstig unterwegs waren (knapp 0,40 € pro Person), konnten wir es heute wieder krachen lassen und mit dem Taxi fahren. 

Eine ganze Menge Dinge durfte man in dem Auto nicht, aber da wir keine Waffen dabei hatten, seit Jahren nicht mehr rauchen und auch mal zwei Stunden am Vormittag auf Alkohol verzichten konnten, ging es 🙂 

Unterwegs haben wir noch an einem Wasserfall angehalten und ein paar Fotos gemacht und nun sind wir in Tissa. 


Morgen wollen wir von hier zu einer Halbtagestour in einen der umliegenden Nationalparks aufbrechen und hoffentlich ein paar Elefanten und Krokodile sehen. Den Rest vom heutigen Tag werden wir es wohl ganz entspannt angehen lassen, wir sind ja schließlich im Urlaub. 

2 Gedanken zu „Am Zug 

  1. Hallo Ihr Urlauber, es klingt , als ob die Zugfahrt bei super Kulisse doch schön war und nicht so eng und verschwitzt wie vermutet.
    Mir scheint, dass Sri Lanka gut für Touristen erschlossen ist, oder?
    Viel Spaß bei der Weiterreise.
    Mummy

    1. Ja, es war sehr schön und unschwitzig. Sri Lanka ist ziemlich erschlossen – es gibt hier viele Reisegruppen und Leute, die mit privatem Fahrer eine Rundreise machen. Der öffentliche Nahverkehr ist ein bisschen anstrengend, aber dafür sehr billig.

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