Christen und Falafel in Nazareth

Meine Reisebegleitung hat mir eröffnet, dass er in Israel alle möglichen biblischen Stätten besichtigen will. Dann war er enttäuscht als er feststellte, dass viele davon in der Westbank liegen, wo wir mit unserem Mietwagen gar nicht hin dürfen (z. B. Bethlehem und Jericho). Nazareth hingegen ist erlaubt und gar nicht weit entfernt von Haifa, deshalb fuhren wir dort hin.

Mit dem Auto waren wir ungefähr 40 Minuten unterwegs. Die Landschaft war eher unspektakulär und zur Mittagszeit kamen wir in Israels größter arabischer Stadt an.

Hier hat man Maria eröffnet verkündigt, dass sie ein Kind erwartet und von wem und Jesus ist hier aufgewachsen, erzählt man sich. Deshalb heißt er Jesus von Nazareth, obwohl er ja in Bethlehem geboren wurde.

Die Christen haben jedenfalls in den letzten 2000 Jahren überall dort eine Kirche hingebaut, wo Jesus oder Maria vielleicht mal irgendwas gemacht haben. Marcus und ich haben aber eine „nur ein Tempel am Tag“ – Regel (vielleicht setzen wir die in Jerusalem ausnahmsweise außer Kraft), deshalb haben wir uns nur die Verkündigungsbasilika angeschaut.

Die Basilika wurde erst 1969 erbaut und zwar mehr oder weniger auf dem Fundament der Kirche, die vorher hier stand. Sie ist zweigeschossig, wobei man im Untergeschoss noch ein paar Stufen hinab zur Verkündigungsgrotte gehen kann.

Während wir uns so umschauten und die Marienabbildungen aus aller Welt betrachteten, wurde die eine oder andere Gruppe christlicher Touristen / Pilger „durchgeschleust“. Wenn man unter Zeitdruck steht, dann kann man offenbar gleichzeitig beten und fotografieren…

Der Autor unseres Reiseführers war kein großer Fan der eher moderneren Architektur dieser Kirche, ich fand es eigentlich ganz gut. Überrascht hat mich lediglich die große Anzahl an Beichtstühlen.

Wir standen nicht unter Zeitdruck und gebetet haben wir auch nicht, so dass wir uns dann noch das Obergeschoss angeschaut haben und danach ein paar Schritte weiter den Berg hoch in den kleinen Gassen der Altstadt verschwunden sind.

In dieser Altstadt waren keine Pilgergruppen, nur ein paar Verkäufer und vereinzelt ein paar Touristen. In den verwinkelten Gässchen sah es stellenweise aus wie in Italien und es war sonnig, ruhig und entspannt.

Am Souk tranken wir einen Granatapfel-Orangen-Saft und kurze Zeit später saßen wir vor einem etwas kuriosen Restaurant und aßen sehr, sehr leckere Falafel mit Hummus und Salat und tranken Limonade.

Kurios war das Innere des Lokals, in dem man nicht fotografieren durfte. Die (beiden) Räume waren ca. 5 Meter hoch und jeder Quadratzentimeter Wand wurde genutzt um „die Sammlung“ des Besitzers auszustellen. Und er sammelte alles. Vor allem alte Uhren, Becher, Kannen, Werkzeug, Telefone …

Eigentlich wollten wir danach noch das „Nazareth Village“ anschauen, ein Freilichtmuseum, in dem das Leben vor 2000 Jahren (Jesus und so) nachgestellt wird. Allerdings fand dort die letzte Führung um 15:30 Uhr statt, die wir wegen Entspannung und Stau verpasst haben.

Und so war unser nächstes (und letztes) Ziel für heute der „Grand Canyon“, das größte Einkaufszentrum von Haifa. „Kanyon“ heißt auf hebräisch wohl so viel wie „kaufen“ – „Grand Canyon“ ist also ein lustiges Wortspiel. Ich bin ja überhaupt kein Fan von (großen) Einkaufszentren, aber wir wollten einen großen Supermarkt aufsuchen und dieser Ort war auf englisch ausgeschildert. Das Parkhaus allerdings nicht, so dass wir drei Anläufe brauchten, ehe wir es gefunden hatten. Letztlich war es eine ganz normale Shopping Mall und der Supermarkt gar nicht so groß, aber deutlich günstiger als der gestern.

Bisher haben wir (außerhalb des Flughafens) übrigens nichts von besonderen Sicherheitsvorkehrungen gemerkt. Lediglich beim Einkaufszentrum stand jemand, der uns gefragt hat, ob wir Schusswaffen oder Messer dabei haben. Wir hatten das verneint und er hat uns geglaubt.