Jerusalem

Am Donnerstag setzten wir uns ins Auto und fuhren zwei Stunden nach Jerusalem, wo wir gegen Mittag ankamen. Es war voll und die Straßen waren verstopft. Dann stand das Auto aber endlich im Parkhaus und wir vor einem der Tore zur Altstadt, dem Jaffa-Tor.

Jerusalem ist groß und erstreckt sich über mehrere Hügel, was die Orientierung nicht unbedingt erleichtert. Wir hatten im Vorfeld ein bisschen im Reiseführer gelesen, aber die schiere Zahl der beschriebenen Sehenswürdigkeiten hatte mich schon etwas überfordert. Der Plan sah also wie folgt aus: „Wir laufen durch die Altstadt und gucken mal.“

Natürlich wären wir gern auf den Tempelberg gegangen und hätten uns Felsendom und Al-Aqsa-Moschee aus der Nähe angeguckt (betreten darf man sie als Nicht-Muslima sowieso nicht), aber wir hatten schon gelesen, dass der Zugang für Touristen bzw. für Nicht-Muslime auf wenige Stunden am Tag begrenzt ist und die waren nun schon vorbei.

Aus der Ferne sieht der Felsendom aber auch ziemlich fotogen aus.

Felsendom Jerusalem

Wir spazierten also durch die Gassen der Altstadt von Jerusalem. Alle möglichen Eindrücke prasseln dort auf einen ein und im einen Moment steht man mitten im Gedränge und einmal um die Ecke ist es ruhig und still und friedlich.

Bei den Souvenirhändlern herrscht übrigens religöse Toleranz: man kann durchaus im selben Geschäft ein Palestinensertuch, eine Kippa und ein Kreuz kaufen.

Nach einem Spaziergang durch das jüdische Viertel, standen wir vor der Klagemauer. Bzw. erstmal vor einer Sicherheitskontrolle, bei der wir und unsere Taschen überprüft wurden. Das verlief aber schnell und undramatisch – die Kontrollen am Reichstag in Berlin sind langwieriger…

An der Klagemauer beten Männer und Frauen getrennt, es gibt in der Mitte des Platzes eine (leicht zu entfernende) Holzwand, die die beiden Bereiche trennt. Auf der Frauenseite gibt es an der Holzwand aber auch Stufen, auf die man sich stellen und zu den Männern gucken kann. Das haben auch viele Frauen gemacht, denn bei den Männern war mehr los. Eine Reihe von Jungs hatten nämlich am Donnerstag ihre Bar Mizwa und vollzogen auf der Seite der Männer verschiedene Rituale. Außerdem wurde gesungen, getanzt und gegessen und die Stimmung war ziemlich fröhlich und weniger klagend.

Durch das arabische Viertel spazierten wir zurück, tranken einen Tee, verliefen uns ein bisschen …

… bis wir dann im christlichen Viertel landeten. Dort steht die Grabeskirche an dem Ort, an dem sich vielleicht das biblische Golgatha befand und Jesus gekreuzigt wurde. Sagen wir mal so: als Atheistin mit nur rudimentären Bibelkentnissen ist das alles ein bisschen verwirrend.

Andere Besucher und Besucherinnen waren weniger verwirrt und fanden sich in der vollen und verwinkelten Kirche auch besser zurecht.

Wir hatten zwar erst den kleinsten Teil der Sehenswürdigkeiten Jerusalems besichtigt – aber mittlerweile war ich von den Eindrücken (und den vielen Menschen) ziemlich erschlagen. Wir gingen dann nur noch etwas essen und fuhren danach zurück nach Haifa.

Ich habe jetzt zwei Tage lang überlegt wie ich (die Altstadt von) Jerusalem finde und was ich schreiben soll und komme zu dem Schluss: es hat mich ein bisschen überfordert. Die Geschichte, die Eindrücke, die Religionen, die Touristengruppen… Und zwischendrin die Soldaten und Soldatinnen mit den Milchgesichtern (sie sind sehr, sehr jung) und den großen Gewehren.

Vielleicht muss man sich auf diese Stadt besser vorbereiten, sich mehr Zeit nehmen oder eine Führung buchen um das Gesehene besser einordnen zu können.

Ein Gedanke zu „Jerusalem

  1. Wie ich gerade erst sehe, gab es auf der Frauenseite an der Klagemauer deutlich mehr zu klagen. So voll war es bei den Männern nicht

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