Heute ist der 5. Juni – Grund genug aufzuschreiben, was ich eigentlich den ganzen Tag so mache.

Um 6 klingelt der Wecker. Es folgt das Übliche (aufstehen, duschen, Zähne putzen, Haare fönen, anziehen, losgehen).

Draußen sind es angenehme 19 Grad. Ich hätte Lust auf einen Spaziergang oder so, stattdessen haste ich zur S-Bahn. Auf dem Weg dahin weiche ich allen möglichen Leuten aus. Leuten die Bier trinken, Leuten, die den Bürgersteig fegen, Leute die mir eilig entgegenkommen und mich dabei beinahe umrennen.

Morgens ist es in der S-Bahn auszuhalten. Im Gegensatz zu abends reden die Menschen so früh meist nicht und sie riechen auch besser.

Umsteigen. U-Bahn. Kaffee kaufen. Zum Geburtstag hatte mein Bruder bei meinem Stammkaffeeladen einen Gutschein für mich hinterlegt. Seit Wochen muss ich deswegen meinen Kaffee nicht bezahlen (weil das ja der Bruder schon erledigt hatte).

Dann ins Büro. Dank sehr leistungsfähiger Klimaanlage ist das im Sommer tatsächlich ein angenehmer Ort.

Ich brauche ein paar Anläufe, bis ich Google davon überzeugen kann, dass ich kein Roboter bin. Danach bemitleide ich den Chef ein bisschen, weil der einen sehr harten Tag vor sich hat. Er will aber weder Mitleid noch Hilfe und so geh ich in mein sehr gut klimatisiertes Büro zurück und schreibe 1000 Wörter zum Thema „Notbremsfunktion bei Autos“. Zwischendurch gibt es Frühstück.

Anders als an den letzten Tagen stand mein Kollege bisher noch gar nicht zeternd und schimpfend in meinem Büro. Gegenstand seiner Tiraden war übrigens nicht ich, sondern wahlweise Vorgesetzte, Mitarbeiter, Kunden oder Dienstleister. Vielleicht hat mein Hinweis, dass er mich als emotionalen Mülleimer benutzt, was gebracht? Oder er hat einfach bessere Laune? Erstmal abwarten, der Tag ist ja noch jung.

11:55 Uhr: ich höre den Kollegen in seinem Büro lautstark schimpfen. Die Laune ist also nicht besser.

Um 12:15 steht der Kollege dann in meinem Büro und beschwert sich nachdrücklich über die Programmierer (die in einem anderen Land arbeiten und deshalb die Beschwerden nicht persönlich entgegen nehmen). Die wissen wohl alles besser. Er wünscht sich Progammierer und Programmiererinnen, die „einfach machen was man ihnen sagt“. Mein Einwurf, dass er sich gestern noch Personal gewünscht hat, das ein bisschen mitdenkt, ist offenbar nicht hilfreich.

Um 12:33 Uhr ruft mich der Chef an und fragt, was er jetzt zum Mittag essen möchte. Ich mache ihm ein paar Vorschläge aber das scheint ihm nicht weiterzuhelfen. Ich habe den Eindruck, wir müssen dringend an meiner Jobbeschreibung arbeiten.

Gegen 14 Uhr halse ich mir neue Aufgaben freiwillig auf. Der Kollege hat sich derweil auf seufzen und jammern verlegt.

Um 16 Uhr mache ich sehr pünktlich Feierabend. Es steht ein überfälliger Friseurbesuch an.

Der Zugverkehr der S-Bahn ist unregelmäßig. Dabei sind die Züge um diese Zeit mehr als voll, selbst wenn alles funktioniert wie es im Fahrplan steht. Im Übrigen ist die Berliner S-Bahn nicht klimatisiert und dementsprechend warm und wohlriechend.

Auch die schwitzigste Bahnfahrt ist irgendwann vorbei und während ich dann so bei Henriette auf dem Friseurstuhl sitze, stehen auf einmal der Lieblingsmitbewohner und Freund R. im Friseurladen. Berlin ist ein Dorf. Wir quatschen ein bisschen und dann gehen der R. und ich nebenan vietnamesisch essen. Der Mitbewohner erzählt irgendwas von Magerquark mit Obst und geht einkaufen.

Jetzt ist es gleich 20 Uhr. Ich werde mir noch was zu essen für morgen vorbereiten und dann noch einen Film gucken oder einen Podcast hören. Vielleicht lese ich auch, was andere Leute eigentlich den ganzen Tag so gemacht haben.