Einmal Myanmar und zurück

von Dubai nach Singapur ging es dann gestern ganz bequem, denn das Flugzeug war ziemlich leer. Jeder Passagier hatte 3 bis 4 Sitzplätze für sich und konnte sich ausstrecken und schlafen. Das war ganz schön.

Auch schön war es dann endlich angekommen zu sein. Mit dem Taxi fuhren wir zum Hotel, das nicht weit entfernt war. Denn heute morgen ging es schon wieder zum Flughafen zurück für den Flug nach Myanmar.

Als der Wecker um 5:30 Uhr klingelte, war ich einigermaßen ausgeschlafen. Mit dem Shuttlebus vom Hotel fuhren wir zum Flughafen. Dort klappte auch alles schnell und reibungslos, so dass wir um 9:10 Uhr ganz entspannt im Flugzeug saßen, dass uns nach Rangun bringen würde.

Und nun sitze ich hier ohne den Chef auf dem Flughafen Rangun und warte auf meinen Rückflug nach Singapur heute Abend. Das war so nicht geplant. Eigentlich sollte doch der Urlaub jetzt richtig beginnen. Im Flieger haben wir den Reiseführer studiert und Pläne für den Rest des Tages gemacht.

Allerdings durfte der Chef nicht nach Myanmar einreisen. Er hat eine Tätowierung am Bein, die die Beamten hier für eine Abbildung Buddhas halten. Bzw. sie haben Angst dass Andere es für Buddha halten könnten. (Es ist kein Buddha.) Ich hatte die Passkontrolle schon hinter mir, war also eingereist, als sich die Prozedur beim Chef seltsam in die Länge zog. Dann kamen mehr und mehr Beamte in unterschiedlichen Uniformen. Manche fotografierten das Bein, manche telefonierten mit irgendwem, einer sagte: „waiting for my boss“. Der Boss kam dann und entschied, dass die Einreise verweigert würde. Der Chef sollte mit dem selben Flugzeug zurück, mit dem wir gekommen waren.

Mit diesem Flieger konnte ich nicht zurück, weil ich ein Ticket brauchte, was ich für diesen Flug – dessen Boarding schon abgeschlossen war – nicht bekommen würde. So ging der Chef, von Polizisten begleitet, zurück zum Flieger und ich stand da mit einem jungen Mann, der kein Englisch konnte. Wir liefen durch den Flughafen und dann setzten wir uns auf eine Bank und warteten. Ich hatte keine Ahnung worauf. In der Zwischenzeit hatte ich immerhin herausgefunden, wie ich hier an Internet komme, denn so ganz ohne Zugriff auf Informationen fühlt man sich in so einer Situation noch verlassener als ohnehin schon.

Es tauchte dann ein Mitarbeiter der Fluggesellschaft auf, der verhältnismäßig gut Englisch spricht. Ich müsste meinen Rückflug nach Singapur umbuchen, das kostet 125 US-Dollar und dann kann ich heute Abend (ca. 8 Stunden später) zurück nach Singapur. Diese Umbuchung kann er mit mir machen, ich müsste allerdings in bar bezahlen und zwar in US-Dollar. Die kommen hier nicht aus dem Automaten. Also ging ich erstmal zum Geldautomaten und kam mit einem dicken Bündel Kyatt (44 Scheine) zurück. Die mussten dann an einer Wechselstube in US-Dollar umgetauscht werden. Die ersten zwei Wechselstuben hatten nicht genügend Dollar und ich wurde nun langsam noch nervöser. Die Situation war ja schon blöd genug. Am nächsten Schalter konnte ich dann aber das Geld wechseln und mein Ticket bezahlen.

So saß ich die nächsten Stunden am Flughafen Rangun rum und wartete und trank Kaffee und hoffte, dass es dem Chef gut geht. Am Eingang zum Flughafen standen Polizisten mit Kalaschnikows und die Koffer der Reisenden wurden bereits beim betreten des Flughafengebäudes ausführlich inspiziert. Manche so ausführlich wie die Tätowierung vom Chef.

Nach gut 3 Stunden endlich eine Nachricht aus Singapur. Er wurde am Gate von der Security in Empfang genommen. Zum Glück verlief die Einreise unproblematisch, denn das wäre sonst ziemlich kompliziert geworden.

Und so saßen der Chef auf dem Flughafen in Singapur und ich auf dem Flughafen Rangun und ganz ehrlich – das war ein Scheißtag. In der Zwischenzeit kümmerte der Chef sich um ein neues Hotel in Singapur und Flugtickets nach Kambodscha für übermorgen. Nach dem ganzen Stress hat man irgendwie das Bedürfnis nach etwas Vertrautem, nach einer Situation, die man einschätzen kann. Ich hatte noch ein paar Kyatt übrig und investierte die in ebenso vertraute Dinge wie Kaffee, Eiskaffee und Veggie-Burger von Burger King (der ist zwar vertraut aber bäh). Der Wunsch nach Vertrautheit war so groß, dass ich statt eines neuen Buches Jane Austens „Pride and Prejudice“ auf meinem Kindle zu lesen begann. Ein Buch, was ich ungefähr 15 Mal gelesen hatte (und alle Verfilmungen zusammen genommen habe ich die Geschichte bestimmt schon 20 Mal gesehen). So ein Tag war das nämlich.

Zum Glück hatte ich Internet und konnte sowohl mit dem Chef als auch mit Leuten zu Hause Kontakt halten, so fühlte ich mich nicht ganz so verloren allein in einem fremden Land, das sich bisher eher von einer strengen und unsympatischen Seite gezeigt hatte.

Beim Einchecken gab es dann noch eine kleine Diskussion zum Thema Gepäck – ich hatte ja kein richtiges Ticket und konnte erstmal nicht belegen, dass ich auch für Gepäck bezahlt hatte. Das ließ sich aber auch klären und dann bin ich aus Myanmar wieder ausgereist, in den Flieger nach Singapur gestiegen und war nach 15 Stunden wieder am Flughafen Singapur.

Wenn die Anspannung erstmal von mir abgefallen ist und ich übermorgen bei vielen Angkor-Bier in der 172. Straße in Phnom Penh sitze, dann werde ich (hoffentlich) über die Geschichte lachen können. Im Moment noch nicht, auch wenn das ja alles bestmöglich ausgegangen ist. Angeblich gibt es keinen Vermerk in irgendeiner Touristen-Kartei, so dass der Chef mit langer Hose wohl bei anderer Gelegenheit einreisen könnte (ich ja sowieso, meine Tätowierungen verwechselt keiner mit Buddha und die sind auch nicht am Bein, was viel schlimmer ist, als oberhalb der Gürtellinie, wie ich gelernt habe). Mir ist die Lust allerdings erstmal vergangen. Und falls der Chef es nochmal mit Myanmar versuchen möchte, muss ich ehrlich gesagt nicht unbedingt dabei sein.

Im Flugzeug zurück saß ich neben einem Mann, der zum ersten Mal flog (nehme ich an). Er kam mit dem Sicherheitsgurt nicht klar und bat mich um Hilfe. Das hatte ich zuerst allerdings nicht kapiert, denn wir konnten uns nicht richtig verständigen. So kontinentübergreifend ist selbst die Verständigung mit Gesten und per Pantomime nicht ganz einfach. Dann half ich ihm noch mit dem Licht und mit seinem Tischchen und füllte seine Einreise-Karte für Singapur aus (ich glaube er kann das lateinische Alphabet nicht). Jetzt hoffe ich nur, dass ich keinen Quatsch fabriziert habe und er keine Schwierigkeiten bei der Einreise bekommen hat.

Das einigermaßen glückliche Ende eines verkorksten Tages wollten der Chef und ich dann mit einem Bierchen im Hotelzimmer begießen. Das scheiterte allerdings an den Gesetzen von Singapur, die den Verkauf von Alkohol nach 22:30 Uhr auf Bars und Restaurants beschränken. Um kurz vor 2 Uhr wollte ich aber nur noch in Bett. Dann also nüchtern.


Nachtrag vom Chef:

Nachdem wir gestern endlich in der 172. Straße bei einigen Bier sassen, lachen wir wieder und auch ich kann endlich darüber sprechen. Es wird aber sicher noch drei bis vier solcher Abende brauchen bis ich das Trauma überwunden habe. Es war schrecklich!

Noch einmal zurück zum 7.3.2019 und dem komischen Verhalten der Burmesischen Behörden. Ich stand also am Counter zur Einreise und es dauerte alles lange, die Erklärung der Dame waren Computer Probleme, kennt man ja. Im Hintergrund bemerkte ich jedoch das immer mehr Männer an den Schalter kamen und mich dann auch ansprachen und wissen wollten was das auf meiner Wade ist. Ich erklärte es kurz und wendete mich wieder der Dame zu. Jedoch wollte sie nicht mehr mit mir reden und musste feststellen, dass man in Myanmar noch nichts von Bayon und Angkor Wat gehört hatte, denn diese Informationen gingen drei Mal via Telefon an den Boss .

Nach unendlichen Minuten des Wartens, die Rückinfo es ist Bayon und kein Buddha. Ich, schon in Begriff zum Counter zu gehen, um meine Einreise fortzuführen wurde sofort wieder gestoppt und zurück hinter die gelbe Linie geschoben, denn Einreisen ist trotzdem nicht, da man sehr um meine Sicherheit besorgt ist und mich nicht ausreichend schützen könne. Während wir mehr recht als schlecht versuchen zu klären, ob und was ich tun kann, werden alle nervöser und der zwischenzeitlich eingetroffene Mitarbeiter von Jetstar (der Fluggesellschaft, die uns hierher beförderte) bringt es dann auf den Punkt. Ich muss sofort zurück in den Flieger. Es bleiben keine zwei Minuten um zu klären was mit Janina ist und das sie auch zurück nach Singapur kommt.

Auf dem Weg zu Flugzeug musste mir der Jetstar Mitarbeiter noch mehrfach verspechen, dass er sich kümmert. Nachdem er selbst erkannte, dass wir auch Rückflüge gebucht hatten und man diese umbuchen kann, hatte ich etwas mehr Vertrauen. Ich wurde zum Flugzeug begleitet mein Gepäck übergeben und mein Pass auch. Ich selbst bekam einen sehr schönen Fensterplatz, so dass ich wenigstens noch 39 Minuten Myanmar von oben sehen konnte.

Die Damen im Flugzeug waren sehr besorgt um mich. Mir wurde mehrfach etwas zu trinken und Essen angeboten, aber nach Essen war mir so gar nicht, denn meine Gedanken kreisten um Dinge wie „wo schlafen wir“, „was machen wir alternativ“ und „hält der Mitarbeiter sein Versprechen?“

Als dann das Essen an die zahlende Kundschaft verteilt wurde und ich erneut ablehnte, stellten sie im Flugzeug die richtige Frage: EIS?!

So sass ich mit Eis auf meinen Fensterplatz und dachte kurz, hätte schlimmer kommen können. In Singapur angekommen wurde ich mal wieder von Security empfangen welche mich zum Einreiseschalter begleitet und, vermutlich zu meiner Sicherheit, auch blieb bis ich eingereist war. Selbst auf dem WC wollte man mich beschützen, denn sie konnten ja nicht annehmen, dass ich weglaufe.

Meine Verwunderung über die Abschiebung wurde vom Sicherheitspersonal geteilt und man lachte über das Verhalten von Myanmar. Die Einreise ging schneller, als an den üblichen Schaltern und so war ich nach knapp 7 Stunden zurück von meinen Ausflug nach Mynmar.

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